St. Michael

Für diejenigen, die mal ein bisschen raten wollen: Heute bin ich mit Schätzchen von Karlsruhe aus ca. 60 km gefahren. Dann sind wir auf einen knapp 500 m hohen Berg gekraxelt, wo ich dieses Foto geschossen habe. Anschliessend sind wir in der Stadt am Fuss des Berges ein lecker Eis schlabbern gegangen. In dieser Stadt kann man (fast) immer sehr vielen Japanern mit ihren obligatorischen Fotoapparaten um den Hals begegnen. Na? Wisst Ihr es schon?

Das Bild zeigt die Ruine des Klosters St. Michael auf dem Heiligenberg. Der Heidelberger Heiligenberg ist einer der berühmtesten und geschichtsträchtigsten Odenwaldberge. Seit der Urnenfeldzeit 1300-800  v. Chr. leben Menschen auf dem Heiligenberg. Anschliessend eroberten die Kelten den Berg und legten eine Fliehburg an, deren Ringwallanlagen noch heute sichtbar sind. Den Kelten folgten die Römer und errichteten einen Merkurtempel dessen Grundmauern noch innerhalb der Ruinen der Michaelsbasilika zu erkennen sind. Nachdem auch die Römer abgezogen waren, kamen Mönche des Klosterstaates Lorsch auf den Berg. 870 errichteten sie das Kloster mit der Michaelsbasilika, deren Ruinen auf meinem Foto zu sehen sind. Doch auch die Lorscher zogen wieder ab und das Kloster fiel an die Fürstbischöffe von Mainz. Diese schickten prämonstratenser Mönche aus dem Kloster Allerheiligen im Schwarzwald auf die Odenwaldhöhen. Auf diese geht der Name (aller) Heiligenberg zurück. Bis zum Spätmittelalter war St. Michael ein bekannter Wallfahrtsort.
Auch die Nationalsozialisten versuchten den mystischen Berg für ihre Propagandazwecke zu nutzen und legten 1935 die sogenannte Thingstätte an. Die ideale Hanglage ausnutzend schufen sie nach den Plänen eines Karlsruher Architekten eine Freiluftbühne, die an die Berliner Waldbühne erinnert. 500 Menschen konnten sich auf der Bühne tummeln und auf den Rängen 20000 Leute stehen bzw. 12000 sitzen. Heute wird die Thingstätte für Theateraufführungen genutzt und bietet 8000 Leuten Sitzplätze.
Ebenfalls höchst geheimnisumwittert ist das sogenannte Heidenloch nur wenige Meter entfernt. Ein 55 m tiefer Schacht von dem man annimmt, dass ihn die Kelten als Zisterne geschlagen haben. Die Römer mauerten das Sammelbecken sogar mit Ziegelsteinen aus. Um dieses rätselhafte Loch entstanden viele Mythen und Sagen des Volkes.
Die grösste Berühmtheit erreichte der Heiligenberg jedoch durch den schweisstreibenden Spazierweg an seiner Nordflanke, der Philosophenweg. Von hier hat man fantastische Ausblicke ins Neckartal, auf die Altstadt und auf das in gleicher Höhe gegenüberliegende alte Schloß. Wenn ich den Philosophenweg gegangen bin, werd ich Euch davon berichten.
Wer sich für geschichtsträchtige Orte und Bewegung in wunderschöner Landschaft begeistern kann für den ist der Heiligenberg im Heidelberger Stadtteil Handschuhsheim ein lohnendes Ausflugsziel. Übrigens heißt Handschuhsheim Handschuhsheim, weil die Ritter von Handschuhsheim einen Handschuh in ihrem Wappen trugen.

Euer Murgtäler                                                                          
25.10.2004

 

Heidelberger Perspektiven

 

Am Sonntag zog es mich mit meinem Schätzchen mal wieder nach Heidelberg. Heidelberg kann man hundertmal besuchen und man entdeckt trotzdem immer wieder was Neues. Für diesmal hatten wir uns den Philosophenweg vorgenommen, doch es wurde weit mehr daraus. Der Heidelberger Philosophenweg dürfte neben der Lichtentaler Allee von Baden-Baden eine der berühmtesten Flaniermeilen unserer Republik sein. Achim von Arnim, Clemens von Brentano, Joseph Eichendorf und Friedrich Hölderlin sind nur einige Namen von Berühmtheiten, die sich hier ergangen und den fantastischen Blick auf den Neckar, die Altstadt, die alte Neckarbrücke und den Königsstuhl genossen haben. Ergo liegt der Philosophenweg jenseits des Neckars im Stadtteil Neuenheim, wo wir bei der Neuenheimer Brücke den steilen Anstieg in Angriff nehmen. Nach einer halben Stunde etwa ist man oben auf nun ebener Promenade. Wunderschöne Anlagen, wie das Philosophengärtchen, die Eichendorff- und die Hölderlinanlage oder der Gedenkstein für Liselotte von der Pfalz laden zum verweilen und schauen ein.

Da wir noch viel Zeit hatten, stiegen wir unternehmungslustig weiter den Heiligenberg hinan zur Bismarcksäule, einem Turm aus rotem Sandstein, der ebenfalls herrliche Ausblicke bis weit hinaus in die Rheinebene bietet. Wir wanderten immer weiter aufwärts durch den nun endlich grün gewordenen Frühlingswald bis zur Thingstätte, die ich schon in meinem Bericht über das Michaelskloster beschrieben habe. Von dort wandten wir uns wieder dem Hang des Heiligenbergs zu, wo bei der Ruine des Stephansklosters ein Aussichtsturm den besten Überblick ins Tal bietet, da an höchster Stelle über dem Neckar positioniert. Das Stephanskloster war eine zweite Klosteranlage hier oben, die im 12. Jahrhundert errichtet wurde aber kleiner war, als das Michaelskloster.
In unmittelbarer Nähe befindet sich das Heidenloch, ein höchst geheimnisvoller 54 m tiefer Schacht, um den sich viele schauerliche Sagen ragen. Martin Schemm hat über das Heidenloch einen fantastisch - mythischen Roman geschrieben, der jeden Krimi in den Schatten stellt. Neueste Forschungen gehen davon aus, daß der Schacht ca. 400 v. Ch. von den Kelten angelegt wurde, die hier oben gesiedelt haben und von denen noch Reste einer doppelten Ringwallanlage vorhanden sind.

Vom Heidenloch aus machten wir uns an den Abstieg. Bald lud ein Hinweisschild zur Merianskanzel ein. Neugierig folgten wir einem abenteuerlich schmalen Zickzackpfad steil hangabwärts, bis wir an die Stelle kamen, wo Christian Merian im Jahr 1620 den berühmten Kupferstich von Heidelberg anfertigte, auf dem das Schloß noch unzerstört und die alte Neckarbrücke überdacht war. An Ort und Stelle kann man mittels Infotafeln den Merianstich mit dem heutigen Stadtbild veergleichen.
Weiter abwärts kommen wir wieder auf den Philosophenweg, wo wir am Liselottenstein eine Rast einlegen und ein letztes Mal die wunderschöne Aussicht geniessen. Eine weitere Herausforderung erwartet uns mit dem gepflasterten Schlangenweg, der uns das letzte Stück abwärts geradewegs zur alten Neckarbrücke bringt, die wir aber nicht überqueren sondern auf der Uferpromenade des Neckars wieder Richtung Neuenheimer Brücke gehen. Mein Schätzchen war nun total platt und groggy vom vielen auf- und absteigen. Ich hab sie dann auf ein Caffeschiff eingeladen und ihr einen leckeren Eisbecher spendiert. So fand auch dieser Ausflug wieder einen schönen Ausklang.

Euer Murgtäler                                                                           25. April 2005

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