|
Da es vom Murgtal nur ein Katzensprung ins Elsaß ist, hab ich am Karfreitag mit Schätzchen einen Ausflug zu unseren gallischen, manchmal auch galligen, Nachbarn gemacht. Nachdem wir uns vergewissert hatten, daß das asymetrische Münster noch an seinem angestammten Platz steht, sind wir natürlich auch hineingegangen um das Parfüm von über 1000 Jahren deutschfranzösischer Geschichte ganz tief einzuatmen. Eine große Attraktion ist die weltgrößte astrologische Uhr. Dieses Monstrum ist stramme 26 Meter hoch. Schön, wie pünktlich um 14.30 Uhr der gefürchtete Sensenmann da oben seinen Spaziergang macht und uns kleine Menschlein an die Vergänglichkeit unseres Daseins erinnert. Nachdem wir eine andächtige Runde durch diese ehrwürdigen Mauern gedreht hatten, schlenderten wir durch die pittoresken Gassen der Altstadt hinunter ans Ufer der ill. Die iIl ist die Seine von Straßburg. Und wie dort, kann man auch hier per bateau mouch eine Sightseeingtour der ganz besonderen Art durch Straßburg machen.
 |
Man sitzt schön im Trockenen, und kann durchs Glasdach die ganzen Sehenswüdigkeiten der Capitale europeenne bewundern. Da wäre vor allem la petite france mit dem Gerberviertel und dem berühmten mittelalterlichen Gerberhaus, wo man erstmal auf und abgeschleust wird, bevor sich die Schranke wieder öffnet und es hinausgeht ins moderne Straßburg und das Europäische Parlament umschifft wird. Gewaltige Bauten aus Beton und Glas gibts hier zu bewundern. Sind umgekehrt proportional gewaltig zu den Taten der Typen, die sich darin auf Kosten der europäischen Steuerzahler einen schönen Lenz machen.
Die Fahrt dauert 5/4 Stunden und über Kopfhörer kriegt man jede Menge interessanter Informationen, falls es einem gelungen ist, eine verständliche Sprache einzustellen. Am tollsten ist der Elsässer Dialekt. Ich versteh ihn ja ganz gut als Badener, aber Auswärtige meinen oft es wäre die Sprache der Bantus. Wieder am Quai angelangt sollte man noch einen Blick auf das pompöse Palais Rohan werfen. Darin residierte einst der sagenhafte Kardinal, der zugleich französischer Marineoffizier war, und seine Zeit mit der Halsbandaffaire die Welt aufschreckte.
 |
Auf unserem weiteren Weg, standen Schätzchen und ich unversehens vor dem haus in dem der Studiosus Johann Wolfgang Goethe 1771/72 wohnte und sich im stillen Kämmerlein tiefschürfende Gedanken machte, ob er später mal ein Internetforum eröffnen oder doch lieber den Faust schreiben sollte. Dann sind ihm diese Gedanken zu blöd geworden, hat sein Pferdchen gesattelt um zur Pastorentochter Friederike nach Sessenheim zu galoppieren. Schätzchen und ich sind inzwischen wieder am Münsterplatz angekommen, wo es uns gelang ein schönes Plätzchen vor dem Maison Kammerzell zu ergattern um dort unseren Cappuccino zu schlabbern. Das Maison Kammerzell dürfte das nach dem Münster meistfotografierte Gebäude Straßburgs sein. Ein im Jahr 1554 von dem reichen Kaufmann Kammerzell erbautes Fachwerkhaus, mit zahlreichen Verzierungen. Die alle einzeln anschauen zu wollen, würde Stunden in Anspruch nehmen. Heute ist das Maison Kammerzell ein erstklassiges Restaurant, dessen Gasträume sich auf mehrere Stockwerke erstrecken. An diesem exponierten Plätzchen ließen wir unseren Karfreitagsausflug ausklingen und die besondere Atmosphäre des Münsterplatzes noch ein wenig auf uns einwirken.
 |
Euer Murgtäler 31. März 2005
zurück vor
|