Die Kasematten              
von Rastatt

Geht es auch Euch so? Man möchte sich etwas anschauen und schiebt es dann jahrzehntelang vor sich her bevor es dann endlich soweit ist. So ging es mir mit den Rastatter Kasematten. Doch am Sonntagmorgen war es endlich soweit, daß ich zusammen mit meinem Schätzchen an einer Führung teilnehmen konnte. Der Besucherandrang war dermaßen groß, daß die Leute in drei Gruppen eingeteilt werden mußten.

Die Kasematten sind ein unterirdisches Gängesystem unter der Festungsstadt Rastatt. Die Festung Rastatt wurde Mitte des 19. Jahrhunderts als Bollwerk gegen den Erbfeind Frankreich erbaut und war seinerzeit eine der größten Festungsanlagen Europas. Mit einer Länge von 3 km,  2 km Breite und einem Gesamtumfang von ca. 8 km wurde da ein ordentlicher Kasten an das Ufer der Murg gesetzt. Der Rhein liegt ca. 3 km westlich der Anlage. Den unrühmlichen Höhepunkt ihrer Geschichte erlebte die Festung Rastatt 1849 mit der vernichtenden Niederlage der Badischen Revolution. Hierher zogen sich die übriggebliebenen Revolutionstruppen zurück und glaubten in der Festung vor den preussischen Truppen in Sicherheit zu sein. Doch da irrten sie gewaltig. Die Preussen erhitzten Kanonenkugeln, bis diese rotglühend waren und schossen diese über die 9 m hohe Festungsmauer. Da die Häuser damals aus Holz gebaut waren und in den Scheunen jede Menge Stroh und Heu gelagert war, stand das Städtchen bald lichterloh in Flammen und die badischen Truppen mussten, auch unter dem Druck der ängstlichen Bevölkerung, kapitulieren. Die preussischen Sieger sperrten ihre Gefangenen unter katastrophalen Bedingungen in die Kasematten. Über 6000 an der Zahl. Ein halbes Jahr später lebten davon noch ca. 2000.                 22 Anführer der Revolution wurden zum Tode verurteilt und im Hasenwäldele im Festungsgraben erschossen. Die eigentlichen Rädelsführer hatten sich durch die Kasematten Richtung Frankreich längst aus dem Staub gemacht und ihre Kameraden ihrem Schicksal überlassen. Der prominenteste von ihnen brachte es Jahre später in den USA zum Innenminister. Sein Name war Karl Schurz.

Heute ist von der Festung Rastatt leider vieles verschwunden. Spätere Grundstückseigentümer benutzten die Mauersteine als Baumaterial und Gänge wurden zugeschüttet. Ein sehr rühriger historischer Verein versucht zu retten, was noch zu retten ist. Eineinhalb Stunden sind wir durch die Gänge geschleust worden und haben viel Interessantes erfahren ehe wir wieder ans Tageslicht kamen. Die 2 Euro Obolus die ein Erwachsener zu entrichten hatte waren gut angelegt.

Euer Murgtäler                                                                 12. April 2005

 


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