Der Grafensprung

Heute  eine kleine Geschichte aus dem Murgtal. Die Sage vom Grafensprung bei Gernsbach. Das Foto hab ich heute Nachmittag aufgenommen, als ich nach der Arbeit noch einen Spaziergang am Murgufer machte. Auf dem Bild  seht ihr ganz links oben einen hölzernen Pavillon. Das ist der Grafensprung. Von hier setzte der Murgtäler Ebersteiner zu seinem Sprung über die Murg an.

Graf Wolf von Eberstein, Schlossherr von Schloss Eberstein, war einer der tapfersten Ritter seines Geschlechts. Nichts liebte er mehr als einen Kampf und Streit; nichts war ihm mehr zuwider als untätiges Verweilen auf Eberstein. So zog er sich bald den Zorn des Grafen Eberhard von Württemberg zu. Es kam zur blutigen Fehde, in der Wolf den Württemberger zu Wildbad überfiel und ihn in gar arge Bedrängnis brachte. Diesen Überfall musste Wolf büssen.
Geraume Zeit darauf weilte Wolf bei seinem Bruder auf Schloss Eberstein. Eberhard nahm die Gelegenheit wahr und umzingelte das Schloss. Als Wolf am frühen Morgen ausreiten wollte, fand er jeden Zuweg besetzt. Augenblicklich ritt er unter Hohngeschrei seiner Feinde nach Eberstein zurück. Von hier aus sprengte er neuen Mutes voll, den steilen Pfad, der auf den Felsen hoch über die Murg führt, hinab. Die Feinde jubelten schon, ihren Gegner nun mehr gefangen zu haben. Doch zu früh! Wolf drückte seinem Hengst die Sporen in die Weichen und mit mächtigem Sprung setzte das Tier in die Murg hinab. Ross und Reiter kamen schadlos unten an - Wolf war gerettet. Selbst die Feinde bewunderten eine solche Heldentat und zogen ab. Eberhard schloss Frieden mit Wolf und fand später im Ebersteiner einen starken Verbündeten.

 

Euer Murgtäler                                                                   06.12.2004

 

Das Kegelkreuz von Gernsbach

 

Hinter diesem geheimnisvollen Gartentor, in der Gernsbacher Bleichstraße, verbirgt sich eines der schönsten Kleinode des gesamten Murgtals: Der Katz'sche Garten. Die Familie Katz gehörte zu den unwahrscheinlich reichen Familien der Murgtalschifferschaft, die mit dem unerschöpflichen Holzvorkommen des Schwarzwalds ihr Vermögen machten. Der in barockem Stil angelegte Garten wäre einen eigenen Bericht wert.
Was ich euch heut erzählen will, ist die Geschichte eines seltsamen Steinkreuzes mit einem stilisierten Kegel, der in diesem Garten aufgestellt ist. Lange verschollen, wurde dieses Kreuz von Gernsbacher Heimatforschern in ziemlich malträtiertem Zustand aufgefunden, so gut es ging  zusammengeflickt und hier aufgestellt.
Das Kegelkreuz ist das Grabmal von Graf Casimir dem letzten Ebersteiner, mit dem das Murgtäler Grafengeschlecht in der männlichen Linie ausgestorben ist. Der gute Casimir ist leider nicht sehr alt geworden. Er war gerade mal 20 Jahre alt, als er am 22. Dezember 1660 sein Leben aushauchte. Kurze zeit vorher hat er noch geheiratet und zwar eine Gräfin von Nassau-Zweibrücken.
Die Ebersteiner waren eine wilde Sippe, mit denen nicht immer gut Kirschen essen war. Besagter Casimir war an jenem verhängnisvollen Dezembertag im Gernsbacher Lusthaus beim Kegelspiel mit befreundeten Grafen zugange.  Als er diese beim Spiel betrügen wollte, war es aus mit der Freundschaft. Einer von denen war sogar so erbost, daß er dem Kegelbruder kurzerhand einen Kegel auf seinen Grafenschädel krachen liess. Das blies diesem das Lebenslicht aus. Damit war das Grafengeschlecht der Ebersteiner erloschen.


Die schöne Maria Eleonore war nun Witwe und schwanger. Am 21. Mai 1661 gebar sie ein Töchterlein, das auf den Namen Albertina Sophia Esther getauft wurde.
Vor Jahresfrist war ich mit Schätzchen auf einem Burgfest im Kraichgaustädtchen Gochsheim. Bei der Besichtigung der dortigen Kirche erblickte ich zu meinem Erstaunen, das mir gut vertraute Wappen mit der Ebersteiner Rose. Ich stand vor dem Grab von Albertina Sophia Esther, die einen Grafen von Württemberg geheiratet hatte und dort ihre letzte Ruhestätte fand.
Das war die Geschichte vom Kegelkreuz im Katz'schen Garten zu Gernsbach, die wohl die wenigsten der Leute kennen, die dort stehen und sich über den Kegel auf dem Kreuz wundern.


Euer Murgtäler                                                               16. April 2005

 

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